Flaute im Bett
Was tun gegen Flaute im Bett
Im Kino sieht es immer so einfach aus. Zwei Menschen haben Lust aufeinander, reißen sich die Klamotten vom Leib und fallen wie Heißhungrige übereinander her. Doch nicht ohne Grund hören Hollywood-Filme meistens dort auf, wo die Beziehung richtig beginnt. Wer nur noch in seinen Träumen die Laken zerknüllt, dem geht es, wie vielen anderen auch. Man lernt sich kennen, verliebt sich, verbringt unvergessliche Stunden mit heißen Erwachsenenspielchen. Weil alles so schön ist, zieht man zusammen, vielleicht heiratet man und stellt irgendwann fest: "Moment mal, wo ist denn der Sex geblieben?" Die Antwort: Bestimmt auf der Strecke. Auch wenn niemand gern darüber spricht, vielen Paaren passiert es, dass die Lust aufeinander zwischen Kindern und Haustieren, zwischen Abwasch und Rasen mähen irgendwann verloren geht. Selbst wenn man seinen Partner aufrichtig liebt und richtig sexy findet, fällt es oft schwer, den Funken der Leidenschaft über die Jahre aufrecht zu erhalten. Doch bevor man beginnt, Sex ausschließlich mit sich selbst zu haben oder die große Liebe gegen eine neue Bekanntschaft einzutauschen, deren Vornamen man sich nicht einmal merken möchte, Stop! Es geht auch anders.
Der Spaß am Sex kommt jedoch nicht von allein. Und das Warten darauf, dass der Partner die Initiative ergreift, kann schnell bis zum Sankt Nimmerleinstag andauern. Was also tun? Leider gibt es kein Patentrezept für ein erfülltes Sexleben, wohl aber viele Wege, die zum Ziel führen können. Die Palette an erotischen Accessoires und Experten-Tipps in gut gemeinten Ratgeberlektüren ist fast unerschöpflich. Zwischen Fesselspielchen, Erotic Food à la carte und Kamasutra-Stellungen für gelenkige Erotik-Abenteurer hat man heute die sprichwrtliche Qual der Wahl, um sein Liebesleben zu verschärfen. Der kleine Haken: Sex-Toys, Sex-Food und die Fähigkeit, seine Beine beim Beischlaf über den Kopf ziehen zu können allein reichen längst nicht aus. Es ist vor allem der gute Wille, der zählt. Die Fähigkeit, sich wieder daran erinnern zu können, was man in den heißesten Phasen der Partnerschaft füreinander empfunden hat. Wem es gelingt, sich mental wieder in den Liebesmodus zu versetzen, der kann auch auf seinen Partner zugehen.
Logisch, viele würden sich lieber die Zunge rausreißen als über das, was zwar alle tun, auch noch reden zu müssen. Aber wer sein Leben zu zweit ändern will, kommt um eine Aussprache nicht herum. Dabei geht es nicht um gegenseitige Vorwürfe. Sagen Sie ihr nicht, dass sie ganz genau wissen, dass Migräne nicht durch Sexbedürfnisse ausgelöst wird. Werfen Sie ihm nicht vor, es sei krank, öfter als zwei Mal im Monat Sex haben zu wollen. Solche Ansätze führen nur in die Sackgasse. Es ist nun mal so, dass Mann und Frau beim Thema Begierde oft ganz unterschiedliche Vorstellungen haben. Vielleicht glaubt er, es sei sexy über sie herzufallen. Schade nur, wenn sie dann höchstens stöhnt, weil sie sich den Knöchel verstaucht hat. Frauen dagegen werden oft von erotischem Beiwerk angetörnt. Zärtliche Küsse, leise Musik und schöne Komplimente können sie dann so richtig in Stimmung bringen, wenn der Partner vielleicht schon zwischen erotischer Vorspeise und Dessert das eigentliche Ziel aus den Augen verloren hat. Diese kleinen aber feinen Unterschiede, die in der Leidenschaft der ersten Monate gar nicht bemerkt wurden, können im zunehmend ehrlichen Alltag ein echtes Hindernis darstellen.
"Man kann sagen, dass diejenigen in der Liebe erfolgreich sind, die sich anderen öffnen, ihnen das Gefühl geben, sie zu akzeptieren und sich bei körperlicher Nähe wohl fühlen", meint dazu Sexualtherapeutin und Autorin Anne Hopper. Darum: Reden Sie über sich, über Ihre Wünsche und gemeinsamen Erinnerungen. So schaffen Sie ein Beziehungsklima, in dem Sie sich wieder neu entdecken und Ihrem Liebesleben mehr Beachtung schenken können. So einfach kann das sein und zugleich so schwer, dem Menschen, den man schon mit einer Selbstverständlich liebt, im Alltag die Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, die ihm jeden Tag das Gefühl gibt, etwas Besonderes zu sein und trotz Kind oder 12 Stunden Job sexy zu wirken. Aber es sind eben diese Kleinigkeiten, die Großes bewirken: Eine Rose, ein Gedicht, ein inniger Kuss statt dem obligatorischen Schmatzer auf die Wange, mal den alten Schlüpfer gegen neue Dessous austauschen, hin und wieder ohne Gurkenmaske den Abend beschließen, die Tennissocken ausziehen oder sich einfach Zeit für den Anderen nehmen. Wer mag, darf das gemeinsame Liebesleben natürlich gerne mit allen erdenklichen Sex-Toys, prickelnden Erotikfilmen, neuen Stellungen oder einem heißem Striptease zusätzlich garnieren. Aber all das funktioniert nur, wenn beide sich gegenseitig die Zeit und Lust schenken, die Wünsche und Sehnsüchte des Partners zu erkunden. Ist es wirklich leicht? Bestimmt nicht! Lohnt es sich? Ganz sicher! Und nicht nur für die Beziehung, sondern auch für die Gesundheit: Denn Sex macht nicht nur glücklich, sondern auch schlank, schön und hält fit für viele weitere erotisch anregende Jahre. Und darum sollten Sie nun wirklich etwas Besseres zu tun haben, als noch weiter zu lesen.
